An der Schnittstelle

Günter Knapp kennt das Projekt Bau(m)stelle wie kein Zweiter: Als Projektleiter ist er das Bindeglied zwischen der TIROLER VERSICHERUNG und allen externen Ansprechpartnern von beauftragten Unternehmen bis hin zu den Nachbar*innen – und hat damit alles im Blick.

Günther Knapp, Projektleiter der Baumstelle
Günther Knapp, Projektleiter der Baumstelle

Seit wann beschäftigt Sie der Neubau der TIROLER VERSICHERUNG
GÜNTER KNAPP:
Schon mehrere Jahre – eigentlich seit 2019. Wir sind aufgrund der Bauarbeiten bereits seit zwei Jahren in einem Bürogebäude in der Anton-Melzer-Straße untergebracht. Davor fand der Architekturwettbewerb statt, der ebenfalls einige Zeit in Anspruch nahm.

Sie waren also von Anfang in das Projekt involviert.
Ja, ich habe mit anderen gemeinsam den Anstoß dazu gegeben. Wir haben an unserem Standort, an dem wir jetzt neu bauen, früher ständig umgebaut und erweitert. Irgendwann mussten wir feststellen, dass wir schon wieder an unsere räumlichen Grenzen gestoßen waren. Die Lösung? Das Dachgeschoß noch einmal zu vergrößern. Wir wären auf 85 Quadratmeter mehr Fläche gekommen, hätten die Fassade komplett saniert, Fenster getauscht und vieles mehr. Das Ganze hätte aber unverhältnismäßig viel Geld gekostet! Somit war klar, dass es keinen neuerlichen Bestandsumbau mehr geben kann. Dann haben wir das Neubau-Projekt gestartet. Ich war also von Anfang an dabei.

Was macht das Projekt Bau(m)stelle ganz grundsätzlich spannend für Sie?
Im innerstädtischen Bereich so ein Bauvorhaben umzusetzen und dass die TIROLER VERSICHERUNG als Arbeitgeberin wieder im Zentrum präsent ist. Das war auch ein ausschlaggebendes Kriterium für die Entscheidung zum Neubau am alten Standort. Wir hätten auch auf die grüne Wiese gehen können, das wäre viel einfacher gewesen. Doch wir haben uns bewusst anders entschieden – das ist herausfordernd und spannend zugleich.

Was waren in dem ganzen Prozess die bisher größten Herausforderungen?
Einen Konsens mit der Stadtplanung und dem Gestaltungsbeirat im Architekturwettbewerb zu finden. Die Themen nachhaltige Baustoffe, Holzbau und grüne Fassaden nahmen in Innsbruck bisher keinen hohen Stellenwert ein. Es war nicht einfach, so ein Projekt mit vielen neuen Ansätzen auf die Beine zu stellen.

Was waren im Vergleich dazu Ihre persönlichen Highlights?
Der Architekturwettbewerb. Ich komme selbst aus dem Architekturbereich und bin jetzt in der Bauherrenvertretung. Viele der eingereichten Projekte haben mich fasziniert. Es war sehr interessant zu sehen, was auf diesem Grundstück alles möglich ist – unter den Rahmenbedingungen, die Stadtplanung und wir als Bauherr vorgegeben hatten.

Waren die Entwürfe annähernd so, wie Sie sich das vorher vorgestellt hatten?
Zum Teil. Einige waren sehr klassisch und brav, andere sehr ausgefallen und interessant.

Welche Themen beschäftigen Sie aktuell?
Aktuell sind wir intensiv mit der Büroplanung beschäftigt. Wir versuchen, nach Möglichkeit alle Wünsche umzusetzen. Das ist uns sehr wichtig: Wir planen nicht einfach Arbeitsplätze, sondern nehmen die Belegschaft mit und erarbeiten gemeinsam Vorschläge, wie die Räume optimal genutzt werden können. Unser Fokus liegt darauf, offene Räume mit genügend Rückzugsorten für ruhiges Arbeiten zu schaffen. Wir möchten auch genügend Orte schaffen, an denen die Mitarbeiter*innen gut kommunizieren und zusammenarbeiten können. Jede*r Mitarbeiter*in soll aber einen eigenen Arbeitsplatz haben, an dem er oder sie sich wohlfühlt. Desksharing gibt es bei uns nicht. Diese Planungen wollen wir bis Jahresende abschließen.

Wie sieht es hier konkret mit Wünschen für Ihre Abteilung aus?
Derzeit denken wir am wenigsten an uns selbst, da haben wir erst sehr wenig geplant. Bisher gestalten wir primär die anderen Bereiche. Vielleicht verschafft uns das schlussendlich einen Vorteil: Denn wir können alles, was wir durch die unzähligen Vorschläge anderer Abteilungen und in den Workshops gelernt haben, bei uns einfließen lassen.

Sind Sie als Projektleiter auch oft auf der Bau(m)stelle?
Ein- bis zweimal in der Woche. Ich versuche, öfter dort zu sein, aber das lässt die Zeit nicht zu. Die Bauleitung ist extern vergeben. Der Bauleiter und das Architektenteam kümmern sich bestens um die Baustelle. Ich bin immer wieder gerne auf unserer „Bau(m)stelle“, weil man den Fortschritt sieht und die Begeisterung spürt, die von den ausführenden Firmen für so ein besonderes Projekt in der Innenstadt ausgeht.

Wie ist es, diesen Prozess live mitzuerleben?
Da gibt es Phasen: Manche Dinge gehen sehr schnell, da sieht man in einer Woche viel. Dann wiederum scheint es langsamer voranzugehen, weil viel im Hintergrund passiert und wenig sichtbar ist. Durch den Holzbau ging die Rohbauphase sehr schnell voran. Wir sparen zumindest sechs Monate Bauzeit im Vergleich zu einer konventionellen Bauweise. Als ich im September zehn Tage im Urlaub war, sah die Baustelle danach schon wieder ganz anders aus.

Auf welche nächsten Schritte freuen Sie sich besonders?
Darauf, gemeinsam mit dem Planerteam Entwürfe für die Möblierung und Innenausstattung vorzubereiten. Das ist eine sehr schöne Aufgabe. Auch gemeinsam mit dem Architektenteam eine Vorauswahl der Materialien zu treffen, macht immer wieder großen Spaß.

Gibt es noch eine große Herausforderung, die bevorsteht?
Viele vermuten, dass das die Übersiedlung der Mitarbeiter*innen sein wird. Doch das ist nicht so. Wir nehmen nur unsere Ordner und Schreibtischutensilien mit. Es wird also nicht besonders aufwendig. Aber ich habe noch vieles im Kopf, das noch nicht entschieden wurde, aber dringend ansteht. Also im Grunde wird es die größte Herausforderung, alles rechtzeitig unter einen Hut zu bringen.

Damit alles glatt läuft, braucht es sicher einiges an Abstimmung, intern wie extern. Wie funktioniert das?
Hausintern stimmen wir uns hauptsächlich innerhalb des Teams ab. Doch auch mit unserer Marketingabteilung sind wir im engen Kontakt. Das ist wichtig, damit alle rechtzeitig über Fortschritte und wichtige Entscheidungen informiert werden. Der Vorstand ist natürlich über alles als Erster informiert. Für uns ist die Arbeit am Projekt mittlerweile Arbeitsalltag, auch wenn es ein großes Projekt ist. Ansonsten haben wir viel Kontakt mit Planer*innen, Nachbar*innen und ausführenden Firmen, die zum Großteil auch Kunden der TIROLER sind. Als Verein auf Gegenseitigkeit ist es uns wichtig, unsere Kund*innen zu beauftragen. Das ist ein kleiner Extraaufwand, aber stärkt die Kundenbindung und die gegenseitige Partnerschaft – für uns gehört das dazu.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Lisa Schwarzenauer ― Fotos: Gerhard Berger

Zur Person:
Günter Knapp ist Teil der Abteilung Immobilien und Baumanagement der TIROLER VERSICHERUNG. Er kümmert sich als Projektleiter seit den ersten Ideen um die Umsetzung des Neubaus in der Wilhelm-Greil-Straße.

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